Mexico 2026Ein Reisetagebuch
10. August 2026

Day 1+2 : Tulum + Merida

Nach all der Action in NY — es ist noch lange nicht vorbei! Wir fliegen Cancún an und machen uns gleich auf den Weg nach Tulum. O hat das Auto netterweise derart upgegradet, dass ich hinten auf dem Schleudersitz in der 3. Reihe sitze, aber keine Sorge, rausfliegen werde ich wahrscheinlich nicht, da zwischen etlichen Koffern und Taschen sicher eingeklemmt.

Natürlich haben die Boys gleich mal Hunger, also bleiben wir unterwegs in einem Mini-Ort stehen — falls es überhaupt ein Ort ist mit seiner losen Zusammenwürfelung an niedrigen Häusern mit Gstättn in between. Laut Google hat dort aber ein Ristorante familiares 4,8 Punkte, also nix wie hin. Wir parken in Sichtweite — immerhin ist ja alles im Auto — und nähern uns einem mit einem Wellblechdach überzogenen Platz, vor dem ein Grill und in dem ein Typ mit Schlagzeug steht, der amerikanische Songs à la Frank Sinatra singt, während auf einem Riesenscreen irgendwelche unzusammenhängenden Videos von Typen in Sombreros laufen.

Hier machen sich O’s Spanischkenntnisse gleich bezahlt, und wir essen wirklich köstliche Tortillas, Guacamole, Empanadas … the whole lot. Das ganze Schlemmen kostet zum Schluss 70 Euro, also verlassen wir hochzufrieden das Lokal.

Gepäck ist auch noch vorhanden, also weiter nach Tulum. Dort nächtigen wir in der supernetten Casa Kobaab, die am Ende eines Staubweges mit Schlaglöchern liegt, was die Nettigkeit des Hosts Ramon (den O hartnäckig Jamón nennt) locker wettmacht. Zuerst geht’s zum Strand, da fährt man eine unbeleuchtete Straße entlang, an der sich ab und an ein paar Boutiquen tummeln, und linkerhand die diversen Beach Clubs. Es ist eindeutig Nebensaison, kaum jemand ist am Strand, der Sand jedoch sehr fein und das Abendwetter herrlich, wenn auch das Meer einiges an Tang angespült hat. Wir nehmen Drinks im Sonnenuntergang, untermalt von Meeresrauschen, und fahren dann in den Ort, der wiederum aus zusammengewürfelten Häusern besteht, langgestreckt und teils unbeleuchtet. Auch hier finden wir wieder unter einem Wellblechdach am Plastiktisch Platz und essen wieder sehr gut.

Cenote

Am nächsten Tag steht gleich die Cenote am Plan, die Süßwasserteiche aus der Maya-Zeit. Wunderbar klares kühles Wasser — die Sonnencreme ist verboten und wird am Eingang abgenommen — und bis zu 10 Meter tief. Sogar Höhlentaucher sind hier unterwegs, ein Hobby, das wir uns alle nicht vorstellen können. Auch der Typ, der gerade instruiert wird, schaut etwas verzweifelt drein …

Cobá

Dann geht es weiter Richtung Mérida, unterwegs halten wir in Cobá, wo wir den Nohoch Mul bezwingen — immerhin 91 supersteile Stufen, und ein herrlicher Ausblick in den Dschungel. Es ist Teil eines Maya-Komplexes, von dem erst ein kleiner Teil ausgegraben ist, sehr beeindruckend für unsere erste Begegnung mit dieser alten Kultur. Das Ballspiel, bei dem ein Ball durch einen steinernen Ring geschossen wird, erinnert fast ein wenig an Fußball, allerdings darf weder mit Händen noch Füßen geschossen werden, und der Verlierer muss oftmals dann Diener des Siegers werden.

Die Boys vor dem Nohoch Mul in Cobá
Erste Begegnung mit den Maya: Cobá

Valladolid und Mérida

Weiter nach Valladolid, außer wiederum Tacos und einer Kathedrale gibt es da nichts allzu Besonderes.

Am Abend sind wir schließlich in Mérida, die Boys weigern sich, nochmal das Hotel zu verlassen, und so erkunden O und ich ein wenig die Stadt mit kolonialen Bauten.

Heute dann relativ früher Start (nicht einfach, alle auf Trab zu bringen) und los geht es mit einer kleinen Radtour auf und ab dem Paseo de Montejo — das ist hier die typische Sonntagsaktivität. Trotz recht arger Hitze ist alt und jung unterwegs, und wir mieten 2 Family Bikes mit Sonnendach und strampeln auf und ab. Es sind laut Führer die „Champs-Élysées“ von Mérida, naja, kann man da nur sagen, obwohl es sehr hübsche, teilweise runtergekommene riesige Kolonialbauten gibt.

In einen davon, top renoviert, marschieren wir zwecks Besichtigung: Museo Casa Montejo, 1911 ganz nach dem Geschmack des französischen Fin de Siècle fertiggestellt. Die Besitzer sparten weder am französischen Architekten noch am italienischen Marmor. Das Resultat ist ein Mischmasch europäischer Stile, das man hier in der Provinz wohl als chic empfunden haben muss. Die Familie war durch Getreidepflanzungen zu Reichtum gekommen, die sie auf den Haciendas besaß. Dort gab es laut Führerin eigene Coins, und auf Nachfrage kam heraus, dass die Menschen dort damit zahlen konnten. Was das heißt, wissen wir ja — wie bei Wienerberger im 19. Jhdt. durften die Arbeiter nur in den betriebseigenen Geschäften mit betriebseigenen Münzen kaufen. Kein Wunder, dass man sich dann ein derartiges Haus hinstellt!

Uxmal

Danach ein Sprung in das Gran Museo del Mundo Maya, das nicht so gran, aber trotzdem interessant ist, und dann schnell los nach Uxmal, einer Ausgrabungsstätte mit Maya-Tempeln. Diese beeindruckt uns alle sehr, trotz Hitze klettern wir rauf und runter, nicht allzu lang allerdings, weil im Zeitdruck. Zum Glück gibt es O’s neuen besten Freund Claude, der uns immer sagt, was wir wie in welchem Zeitfenster am besten schaffen. Daher schaffen wir the magician’s pyramid, the nunnery square und the governor’s palace — alles wunderschön gelegen und beeindruckend.

Pyramide des Zauberers in Uxmal
Die Pyramide des Zauberers, Uxmal

Trotzdem muss ich sagen — kein Vergleich mit dem, was die Ägypter fast 3000 Jahre früher geschaffen haben. Die Maya hatten kein Metall, und die Muster auf den Steinen sind um so viel gröber als alles, was wir in Ägypten gesehen haben. Viel einfacher, handwerklicher, weniger künstlerisch. Und trotzdem ist es beeindruckend nachzuvollziehen, wie die Menschen hier lebten und ihrer Religion nachgingen, wie sie spielten — es gibt auch hier einen Ballspielplatz — und wie sie dem Regengott Chaac huldigten, weil sie in einer trockenen Gegend lebten und Regen bitter nötig hatten.


Alle Fotos und Videos dieses Tages gibt es im Mexiko-Album.